ARCHITEKTUR und KUNST
oder
von der ARCHITEKTUR zur KUNST   (!.?)

Rückblende ins Jahr 1972: da finde ich kurz vor dem Abitur ein Zitat von mir auf einer Zeitungs-Schülerseite bezüglich meines Berufswunschs:

„Zwei Dinge können den Menschen von heute begeistern: Technik und Kunst. Man entscheidet sich für das eine oder das andere, warum nicht auch für beide? Und die schönste Verschmelzung dieser beiden Elemente finde ich in der Architektur.“

Nach einigen Schleifen und Wanderungen war ich Anfang der 1980-ger Jahre Architekt – einer unter vielen andern – und nach etlichen Berufsquartalen selbstständig. Es folgten Jahre als Herr und Knecht in Einem, mit der wachsenden Erkenntnis, dass die Technik klar die Oberhand gewinnt.

Und noch was: Schule, Uni und Berufsalltag hatten Kratzer, Rillen und Furchen hinterlassen, Aktenstaub und Ordnerberge mit all den enthaltenen Fakten und Namen sich wie Sediment über das gelegt, was in meiner Erinnerung als ein Zustand aus Phantasie, Intuition, Kreativität, Spontanität etc. existierte und bei genauem Reinfühlen noch zuckte. Immerhin!

Ein Gefühl von Verlust breitete sich aus. Dabei wurde ich nur zu dem, der ich sein wollte…

Sinnfrage: War da beim „Verschmelzen“ irgendwas schief gelaufen?

Diagnose: Funktionale Kopflastigkeit mit schöpferischer Leere – und mir dämmerte: werde zu dem, der du noch sein kannst.

Und wenn der „Schüler“ soweit ist, taucht auch der richtige Lehrer auf, heißt es.

Der zeigte sich als Alfred Darda, bei dem ich eines Tages im Jahr 2003 in sein Schwabinger Atelier reinschneite, meine Kinderaugen wieder fand und die Überzeugung: das will ich ab jetzt auch machen  – malen.

Zwei Wochen später war ich in seinem nächsten Kurs in der Reichenhaller Kunstakademie. Andere Lehrer wie Peter Tomschiczek, Jupp Linssen u.a. kamen im Laufe der folgenden Jahre hinzu.

Zeit, in der sich mein Architekturbüro veränderte und immer mehr auch zum Atelier wurde. ***

Da hat es doch tatsächlich gute 30 Jahre gebraucht, um nach der Architektur auch die Kunst wieder zu entdecken und die Einsicht zu gewinnen, dass eine „Verschmelzung“ der beiden es eines Alchemisten bedarf, ich aber besser damit zurechtkomme, es als ein Nebeneinader zu tun. Eine Befreiung.

„Wer malen will, findet einen Weg, die Farbe auf Leinwand zu bringen. Und wenn er sie  draufspucken muss.“   (Chuck Close)

HFJosef

Nur – Das reine Wollen ist eine Kopfgeburt des narzisstischen Egos, welches sich gern als alleiniger Urheber allen Tuns gibt und dabei viele andere Möglichkeiten ignoriert.

Erlösend, wenn man draufkommt, wie man dieser Täuschung entkommen kann: zum Beispiel beim Malen  „es“ zunächst einfach geschehen lassen und sich und das dabei auf der Leinwand Entstehende zu beobachten (sich „erlebend gegenüberzustellen“, wie es R. Steiner nennt). Zu beobachten, wie ein neuer, kleiner Ausschnitt einer hintergründigen Realität in Erscheinung tritt, die mich erstaunt, erfreut und manchmal verblüfft.

In kindlicher Absichtslosigkeit zu malen, Zufälligkeiten zulassen, gar provozieren und dann zu transzendieren – dazwischen immer wieder zu reflektieren und fast schon meditativ den nächsten Zug, die nächste Überraschung zu finden.

Ein Bild entsteht dann fast aus sich selbst heraus, solange, bis sich das Gefühl seines Fertigseins meldet – Gewissheit darüber nicht garantiert.

Es ist ein Weg ohne Leiden – mit Zweifeln zwar, aber ohne Verzweifeln.

Es ist auch ein entschleunigter Weg vom Machen / Macher als zweckgebundenes Handeln hin zum zweckfreien Tun, frei vom Spekulativen, ein Weg vom Müssen hin zum Dürfen. DIE Befreiung.

Und jederzeit auch auf den Alltag übertragbar…

Nur: Ist das rein sichtbare Ergebnis dieses Weges, die Bilder, schon Kunst?

Und: Was leistet sich der Mensch, wenn er sich Kunst leistet? Und wie viel davon braucht er?

Finden wir doch gemeinsam eine Antwort darauf!  Schauen Sie rein in die Galerie – ganz zweckfrei!

***  Heute – 2019 – gibt es diese Architekturbüro nicht mehr, dafür ein um einiges größeres Malatelier, meine „Alchimistenküche“ der Farben, Materialien und Ideen. Gut so.